Die Insolvenz von Wirecard und wie es dazu kam

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Wirecard gehörte zu den erfolgreichsten Unternehmen für Zahlungsdienstleistungen. Die Firma hat Systeme für Kassen entwickelt, damit die Kunden bargeldlos zahlen konnten. Der Hauptsitz der Firma befindet sich in der Nähe von München in Aschheim. Bis 2020 konnte Wirecard einen rasanten Anstieg der Aktienanteile verzeichnen. Im Sommer 2020 musste Wirecard Insolvenz beantragen. Wirecard hatte zahlreiche Geschäftsbeziehungen in Südostasien und im Mittleren Osten. 2020 kam heraus, dass die Bilanzen gefälscht wurden. Viele dieser angeblichen Geschäfte hat es in Wirklichkeit gar nicht gegeben. Seit dem Zeitpunkt ermittelt die Staatsanwaltschaft im Fall Wirecard. Zudem wurde die Firma aus dem DAX gestrichen. Bis heute handelt es sich um den größten Skandal für Bilanzfälschung in Deutschland. Im Folgenden wird der Fall Wirecard und die Insolvenz näher beschrieben (weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie auf inkasso hamburg).

Geschäftskonzept von Wirecard

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Der Zahlungsdienstleister Wirecard wurde Ende 1999 in Aschheim gegründet. Es hat innovative Zahlungsmöglichkeiten entwickelt, bei denen die Kunden kontaktlos mit Karte an Kassensystemen zahlen konnten. Payment-Lösungen konnten an die jeweiligen Anforderungen der Firmen angepasst. Die Größe der Firmen spielte keine übergeordnete Rolle. Die Zahlungsmöglichkeiten konnten von kleinen, mittelständischen und großen Firmen genutzt werden. Mit den Jahren etablierte sich Wirecard mit den Zahlungsmitteln auf dem Markt, bis die Bilanzfälschung 2020 schließlich entdeckt wurde. Wirecard hat enorm von dem digitalen Wandel profitiert. Die Geldströme und Zahlungsmöglichkeiten wurden ins Netz verlagert. Die Firma erhält für die Abwicklung von Zahldienstleistungen eine bestimmte Provision. Wirecard diente als Vermittler zwischen Banken, Verkäufern und Käufern. Der Zahlungsdienstleister sorgte gegen eine Provision dafür, dass die Geldbeträge so schnell wie möglich verbucht wurden. Die wichtigsten Geschäftspartner von Wirecard waren Apple, Mastercard, die Commerzbank, Verkehrsunternehmen, Reiseanbieter und Lidl.

Wissenswertes über die Insolvenz von Wirecard und wichtige Fakten

Durch Zahlungsunfähigkeit musste Wirecard im Juni 2020 einen Insolvenzantrag stellen. Ein weiterer Grund war Überschuldung. Wirecard gehörte an der Börse zu den Überfliegern. Die Aktien gingen durch die Decke und waren bei vielen Anlegern sehr gefragt. Besonders Kleinaktionäre haben Aktienanteile von Wirecard gekauft. Nach der Meldung des Insolvenzverfahrens haben sich Aktien im Wert von mehr als zwölf Milliarden Euro pulverisiert. Die Aktie wurde sogar ausgesetzt und konnte nicht getradet werden. Einen Tag später lag der Aktienwert von Wirecard bei ca. drei Euro. Für viele Kleinaktionäre war diese Meldung ein Schock.
Einer der Hauptgründe für den Insolvenzantrag von Wirecard war die Zahlungsunfähigkeit und Kredite, die sich auf über 1,2 Milliarden Euro belaufen. Zahlreiche Geldinstitute hatten Wirecard millionenschwere Kredite gegeben. Durch das Insolvenzverfahren und der Bilanzfälschung konnte Wirecard die Kredite nicht begleichen. Im Juni waren ca. 800 Millionen und im Juli 500 Millionen Euro fällig, die der Zahlungsdienstleister nicht begleichen konnte.

Ablauf und Gründe

Wirecard und die involvierten Tochtergesellschaften stehen vor einem finanziellen Fiasko. Da das Geschäftskonzept von Wirecard tragbar war, konnte der Insolvenzantrag genehmigt werden. Im Winter 2021 wurde Wirecard schließlich an Banco Santander verkauft und in “WDB Abwicklungs AG“ umbenannt. Die Wirecard Bank musste die Banklizenz zurückgeben.
Der Verdacht der Bilanzfälschung wurde bestätigt. Über 1,5 Milliarden Euro, die in den Bilanzen angegeben wurden, existieren nicht. Bei diesen Beträgen handelte es sich um Luftbuchungen. Viele dieser Buchungen konnten mit philippinischen Banken in Verbindung gebracht werden. Ausgestellte Zertifikate waren ebenfalls gefälscht.
Die ganzen Marktmanipulationen und Bilanzfälschungen wurden von der Financial Times aufgedeckt. Die Financial Times ist eine britische Zeitung. Im Jahr 2015 wurden von der Financial Times Berichte und Artikel über die mutmaßlichen Bilanzfälschungen und Marktmanipulationen veröffentlicht. Die Artikel gehörten zur Serie “House of Wirecard“. Die Financial Times vermutete, dass manche es sich bei vielen Geschäften in Drittstaaten um Scheinfirmen und Luftbuchungen handeln könnte. Der größte Gewinn von Wirecard stammte angeblich aus Geschäftsbeziehungen mit Firmen aus Singapur, Manila und Dubai. Im Jahr 2016 gab es einen großen Investor aus Großbritannien, der Wirecard ebenfalls Geldwäsche, Betrug und Korruption vorwarf. Hier musste der Zahlungsdienstleister erste Kursverluste verkraften. In den folgenden Jahren veröffentlichte die Financial Times weitere Berichte über Wirecard und die dubiosen Geschäfte mit Drittfirmen auf den Philippinen, Singapur und Dubai. Nach den Recherchen kamen immer mehr Details ans Licht. Erste Anwaltskanzleien in den USA starteten Sammelklagen gegen Wirecard.

Nach den ersten Berichten und Vermutungen schaltete sich die KPMG (Wirtschaftsprüfungsgesellschaft) ein. Nach kurzen Ermittlungen konnten im Frühjahr 2020 Buchungen von über einer Milliarde Euro nicht nachgewiesen und zugeordnet werden. Es konnte sich bei den falschen Angaben nur um Manipulationen und Fälschungen handeln. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG leitete die Informationen dann an die deutschen Behörden weiter, die dann die ersten Ermittlungen aufnahm.

Rolle Finanzaufsicht BaFin

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Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht BaFin ist für die Überprüfung des Handels und der Geschäfte der Banken und Versicherungen verantwortlich. Im Fall von Wirecard müssen auch bei der BaFin Fehler gemacht worden sein. Die BaFin wurde die letzten Jahre bereits auf Wirecard aufmerksam gemacht. Dubiose, undurchsichtige Geschäfte und andere Tricksereien waren schon viel früher bekannt. Die BaFin ging nach den Berichten aus der Financial Times gegen die involvierten Journalisten vor. Es wurde eine Strafanzeige wegen Kursrutsch durch Enthüllungsgeschichten gestellt. Mit der Zeit und nach dem Insolvenzantrag war auch der BaFin klar, dass sie mit Wirecard einen großen Fehler gemacht haben. Im Nachhinein wurden Fehler zugegeben, versucht sich aber auch durch Verweis auf Kompetenzen und Zuständigkeiten aus der Affäre zu ziehen. Die BaFin verwies darauf, dass sie nur Einsicht auf die Wirecard-Bank hatte. Für die Prüfung von allen Geschäften waren sie nicht befugt.
Nach dem Insolvenzantrag gab es bei der BaFin weitreichende Änderungen in Bezug auf die Prüfungs- und Durchgriffsrechte von Bilanzen. Anfang des Jahres 2021 wurden einige Mitarbeiter von der BaFin wegen Insider-Handels angezeigt. Sie sollen von den Bilanzfälschungen und Marktmanipulationen gewusst und bewusst weggesehen haben.
Seit Sommer 2021 sind die neuen Reformen für die BaFin in Kraft getreten. Das Gesetz wurde kurz vorher beschlossen. Die wichtigsten Änderungen beziehen sich auf eine verstärkte Bilanzkontrolle und es wurden moderne Strukturen eingeführt. Der Fall um den insolventen Zahlungsdienstleister Wirecard hat verschiedene Schwachstellen in der BaFin aufgedeckt. Ein Beispiel ist die Fokus-Aufsicht, mit der die BaFin Unternehmen und Banken mit komplexen Geschäftsmodellen besser kontrollieren kann.
Der gesamte Wirecard-Fall war für die BaFin ein komplettes Desaster.

Rolle von Wirtschaftsprüfern

Neben der BaFin wurden auch verschiedene Wirtschaftsprüfungsgesellschaften und Wirtschaftsprüfer verklagt. Viele Wirtschaftsprüfer haben die Geschäfte von Wirecard seit vielen Jahren bewertet, ohne dass ihnen etwas Negatives aufgefallen ist. Wirtschaftsprüfer EY (Ernst und Junge) gehörte zu den renommiertesten Wirtschaftsprüfern im Land. Der Reputations-Schaden, der durch den Wirecard-Skandal entstanden ist, kann kaum ausgeglichen werden. Wirtschaftsprüfer EY war auch auf Bilanzprüfung spezialisiert. Über zehn Jahre kontrollierte EY die Bücher und Bilanzen von Wirecard. In der Bilanz von 2019 sind aber erst der Bilanzbetrug aufgedeckt worden. Viele Experten sind auch hier der Meinung, dass die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY von den Bilanzfälschung und den Betrug gewusst haben muss. Obwohl 2019 bereits Ungereimtheiten entdeckt wurden, wurde die Bilanz von Wirecard abgesegnet.

Rolle der Anleger

Die Anleger und Aktionäre haben mit den dubiosen Geschäften von Wirecard Geld verloren. Vor dem Insolvenzantrag lag der Aktienwert von Wirecard noch bei knapp 200 Euro. Ein Tag später erreichte der Börsenwert nicht mehr drei Euro. Innerhalb kürzester Zeit ist der Börsenwert um 99 Prozent gefallen. Die vielen betroffenen Anleger und Aktionäre haben die Möglichkeit, die Wirtschaftsprüfer EY zu verklagen. Durch das Klagen können sie einen kleinen Teil der Verluste ausgleichen. Es ist wichtig, dass sich betroffene Kleinaktionäre an Anwaltskanzleien wenden. Es gibt bereits viele Sammelklagen, in denen unerlaubte Handlungen der Wirtschaftsprüfer nachgewiesen werden konnten. Bevor jedoch Anleger und Kleinaktionäre Geld bekommen, erhalten Banken und Gläubiger Forderungen, die dem Zahlungsdienstleister Kredite gewährt haben. Der einzige Vorteil des Insolvenzverfahrens ist, dass Aktionäre nicht nachträglich Kapital stellen müssen.

Tipps für Anleger und Kleinaktionäre

In erster Linie sollten Anleger und Aktionäre von Wirecard-Aktien den Aktienmarkt und die Entwicklungen in dem Fall im Auge behalten. Bei Musterfeststellungsklagen können sie sich anschließen. Die Verjährungsfrist ist das Jahr 2023. Wichtige Informationen erhalten betroffene Anleger und Kleinaktionäre bei der DSW (Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz und der SdK (Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger). Die Informationen sind kostenlos erhältlich. Durch den Wirecard Fall haben sich in Deutschland mehrere Interessengemeinschaften gebildet, in denen sich betroffene Kleinaktionäre zusammenschließen. Bei der Auswahl der Interessengemeinschaften sollten sich betroffene Anleger informieren. Es handelt sich nicht bei allen Interessengemeinschaften um seriöse Anbieter. Anwälte und Anwaltskanzleien nutzen diese Interessengemeinschaften, um potenzielle Mandanten zu gewinnen.
Einer der sichersten Wege, eine Klage einzureichen, ist ein Rechtsanwalt. Ein passender Rechtsanwalt sollte auf Kapitalanlagerecht spezialisiert sein und bereits Schadenersatzansprüche für Mandanten durchgesetzt haben. Anleger und Kleinaktionäre sollten bei Rechtsanwälten immer den Preis berücksichtigen. Wenn die Klage/Forderung durchgesetzt wird, dann trägt der Gegner die entstandenen Kosten. Wenn die gegnerische Partei jedoch keine finanziellen Mittel besitzt, muss der Anleger die Kosten begleichen.

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