Andre Kostolany (eigentlich Andre Bartholomew Kostolany) wurde am 9. Februar 1906 als Endre Kosztolányi in Budapest (damals noch Österreich-Ungarn) geboren. Kostolany wurde in eine Familie, bestehend aus Industriellen reingeboren und machte sich im Laufe seines Lebens einen Namen als einer der bekanntesten Börsen- und Finanzexperten aller Zeiten. Gleichzeitig trat Kostolany als berühmter Spekulant, Journalist, Schriftsteller sowie Entertainer und Werbefigur auf.

Seine Kindheit verbrachte Kostolany, der als viertes Kind einer jüdischen Industriellenfamilie geboren wurde, inmitten der damaligen Großstadt Budapest. Der Vater von Kostolany war ein örtlicher Industrieller, der sich auf die Herstellung von Magenbitter spezialisierte (der damals unter dem Namen Herkules vertrieben wurde). Während der Zeit des Ersten Weltkriegs häufte die Familie Kosztolányi ein großes Vermögen an, indem diese ihre Produkte vor allem in die USA exportierte. Das Unternehmen selbst existierte bereits seit 1830. Kostolany selbst sollte den Haushalt, indem dieser großgezogen wurde, später als „ausgesprochen wohlhabend“ bezeichnen. Für seine Erziehung waren nebst seiner Eltern ebenso ein Dienstbote sowie eine österreichische Gouverante und eine Germanistin tätigt – allesamt waren im Haushalt der Kosztolányis angestellt.

Andre Kostolany gilt als einer der größten und bekanntesten Börsenexperten aller Zeiten und versorgt nachkommende Investmentgenerationen bis heute mit interessanten Börsenweisheiten sowie Börsentheorien. Für viele Anleger stellt sein eher passiver Ansatz des Investierens bis heute ein Anker in ihrer individuellen Investmentphilosophie dar. In den nun folgenden Abschnitten sollen daher einmal alle weiteren Stadien im Leben des Andre Kostolany aufgezeigt werden und welches Vermächtnis dieser durch sein Wirken hinterlassen hat.

Die Ausbildungsjahre von Andre Kostolany

Kostolany wollte zunächst Kunstkritiker werden und in diesem Zusammenhang Philosophie sowie Kunstgeschichte studieren, ging auf Anraten seines Vaters Anfang der 1920er-Jahre zunächst beim befreundeten Börsenmakler Adrien Perquel in die Lehre. Im Zuge der europäischen Inflation zog Kostolany im Jahre 1924 zunächst nach Paris. Dort sammelte er der noch junge Kostolany erste Erfahrungen als Börsenspekulant. Nachdem er dann noch erfolgreich ein Volontariat im Börsenhaus Amerongen & Compagnie abgeschlossen hatte, wirkte Kostolany dann für einige Zeit als Börsenmakler.

Die Flucht in die Vereinigten Staaten im Zuge des Zweiten Weltkriegs

Kurz nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs flüchtete Kostolany – damals 34 Jahre alt – noch kurz vor dem Eintreffen der deutschen Truppen in der französischen Hauptstadt Paris über Umwege (von San Sebastian über Madrid) in die Vereinigten Staaten von Amerika. Im Jahre 1941 erhielt Kostolany die amerikanische Staatsbürgerschaft und gleichzeitig einen Posten als Generaldirektor sowie Präsident der damaligen G. Ballai and Cie Financing Company. Hier bliebt Kostolany bis etwa 1950 tätig. Zur gleichen Zeit kaufte er sich intensiv in das Unternehmen ein und war zuletzt auch Hauptaktionär. Seine Jahre im Unternehmen nutzte Kostolany auch, um Finanztexte und Bücher zu publizieren. Von Anfang an wurden seine Bücher in sieben Sprachen übersetzt und stellenweise von berühmten Persönlichkeiten wie beispielsweise dem damaligen, französischen Außenminister Robert Schuman mitpubliziert.

Einige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte Kostolany nach Europa zurück

Wenig später kehrte Kostolany dann aber wieder nach Europa zurück. Zunächst ließ dieser sich in Paris nieder, wo dieser dann seine später Frau Françoise Russell kennenlernte und im Jahre 1964 heiratete. Gleichzeitig richtete er sich in München sowie an der Côte d’Azur Nebenwohnsitze ein. Kostolany war zu diesem Zeitpunkt bereits so vermögend, dass dieser noch seinen Kapitalanlagen sowie seinen aus dem Bücherverkauf erhaltenen Tantiemen leben konnte.

Aufgrund seiner wirtschaftlichen Unabhängigkeit und Muse engagierte sich Kostolany in den folgenden Jahren mehr und mehr als Buchautor, Vortragsredner und Börsenexperte. So schrieb Kostolany in den folgenden Jahren vorrangig Börsenbücher, Kolumnen sowie hielt dieser Vorträge und Seminare rund um die Themen Börse, Finanzen und Kapitalanlagen. Insgesamt schrieb Kostolany 13 Bücher und verkaufte weltweit mehr als drei Millionen Exemplare. Sein wohl bekanntestes Werk ist bis heute „Die Kunst über Geld nachzudenken“, welche Millionen von Investoren nachfolgender Investorengenerationen inspirierte.

Gleichzeitig trat Kostolany immer wieder auch im TV als Börsenkommentator auf und trat den wirtschaftlichen Entwicklungen an der Börse immer wieder auch skeptisch gegenüber. So machte sich Kostolany in den 1970er-Jahren einen Namen, als dieser als Gegner der neuartigen Indexfonds auftrat. In den 1980er-Jahren hingegen trat dieser lautstark als Gegner der Goldlobby und der Abschaffung des Goldstandards auf. Bis zu seinem Tod im Jahre 1999 galt dieser immer wieder als Kritiker neuer Marktentwicklungen wie beispielsweise zu Ende des Neuen Markts, den dieser ebenso prophezeite.

Das öffentliche Leben und der Tod von Kostolany

Kostolany hatte im Laufe seines Lebens immer wieder Fernsehauftritte sowie öffentliche Vortragsveranstaltungen. So trat Kostolany unter anderem auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos als Redner in Erscheinung sowie in der deutschen TV-Sendung Harald Schmidt Show. Auch war Kostolany oftmals in Werbespots wie beispielsweise im Rahmen der damaligen Audi A8-Werbung zu sehen. Im Jahre 1971 gründete er zusammen mit Gottfried Heller, einem deutschen Fondsmanager und Buchautor, die Münchener Vermögensverwaltung Fiduka. Kostolany arbeitete im Folgenden mehrere Jahre von seinem Münchener Büro aus für das Unternehmen. Kurz vor dem Zusammenbruch des „Neuen Marktes“ Anfang der 2000er-Jahre, durch welchen sich seine Prophezeiungen erfüllten, starb Andre Kostolany 93-jährig in Paris. Hier wurde Kostolany zuletzt wegen einer Lungenentzündung hospitierte und erlitt daraufhin am 21. September 1999 ein Herzversagen, an welchem dieser auch verstarb.

Die berühmte Investmentphilosophie des Börsengroßmeisters Kostolany

Kostolany hegte seit jeher eine tiefe Abneigung gegen die Lehren der klassischen Volks- und Betriebswirtschaft. Kostolany drängte seine Anhänger daher, sich intensiv mit seinen Investment-Cases zu beschäftigen, anstatt sich von Emotionen oder Marktstimmungen treiben zu lassen. Inhaltlich sollte man als Investor verstehen, wie das jeweilige Unternehmen agiert und wodurch diese Einnahmen erzielt und ob es sich dabei um solide Geschäftskonzepte handelt oder alles einer Art „Hype“ aufsitzt. Gleichzeitig benötigt man als Investor ein gewisses Maß an Fantasie, um sich zukünftige Entwicklungen am Markt gut vorstellen zu können und deshalb gewissermaßen auch auf seinem Ansatz verharren zu können. Kostolany verbreitete mehrere Schriften und Bücher über die Zyklik der Märkte, in denen er sich vor allem mit dem Marktgeschehen als solchem, den einzelnen Marktphasen sowie dem Thema Börsenpsychologie auseinandersetzte.

Ebenfalls prägte Kostolany auch die Begriffe Hausse, Baisse sowie Korrektur, Anpassung und Übertreibung, bei denen es sich um verschiedene Börsenphasen handelt, die immer wieder auftreten. Kostolany erstellte auch mehrere Börsenmodelle wie beispielsweise das Modell „Der Hund und sein Herrchen“, mit welchem er die einzelnen Börsenzyklen zu erklären versuchte. Das Modell beschreibt, dass der Hund der Börse gleichzusetzen wäre und das Herrchen der Wirtschaft. Die Börse läuft der Wirtschaft „immer mal einen Schritt voraus oder hinkt dieser hinterher“.

Das sind die wohl bekanntesten Börsenweisheiten von Andre Kostolany

Kostolany wurde nebst seiner literarischen Veröffentlichungen und seinen öffentlichen Auftritten vor allem auch für seine Börsenweisheiten in Form von Börsenzitaten bekannt. So galt dieser bei erfahrenen Spekulanten, aber auch bei unerfahrenen Kleinanlegern gewissermaßen als Börsenguru. Als Gentlemen der alten Schule nutzte Kostolany seinen öffentlichen Ruhm und ließ sich immer wieder zur Bekanntgabe eindringlicher Zitate verleiten. Zahlreiche, bis heute unvergessene Börsenzitate haben ihren Ursprung daher beim Großmeister Kostolany:

  1. „Kaufen Sie Aktien, nehmen Sie Schlaftabletten!“ (Kostolany spielt damit darauf an, dass sich Geduld an den Aktienmärkten durchaus bezahlt macht)
  2. „Wer die Aktien nicht hält, wenn sie fallen, der besitzt sie auch nicht, wenn sie wieder steigen!“ (hier macht Kostolany eine börsenpsychologische Anspielung auf die Tatsache, das ein fester Wille und Emotionslosigkeit beim Börsenhandel überaus wichtig sind)
  3. „Wer viel Geld hat, der kann spekulieren, wer wenig Geld hat, darf nicht spekulieren, wer kein Geld hat, muss hingegen spekulieren!“ (hier deutet Kostolany an, dass man beim Investieren stets auch die individuelle Finanzsituation beachten sollte)
  4. „Gewinnen kann man, aber verlieren muss man!“ (aus Verlusten kann man lernen und jeder Anleger erfährt im Laufe seines Investmentlebens mindestens einen oder mehrere, größere Verluste)
  5. „Investiere während des Goldrauschs nicht in die Goldgräber, stattdessen in Schaufeln!“ (in Boom-Zeiten sollte man eher in Boom-Werkzeuge investieren, als in gehypte Unternehmen selbst – als Beispiel hierfür könnte der „Neue Markt“ dienen, in dem Google bis heute als klarer Sieger hervorging, da es ein Werkzeug zum Suchen und Finden von Inhalten im Internet darstellt)

Daneben hat Kostolany noch weitere, einprägsame Zitate und Inhalte veröffentlicht, die nachfolgende Generationen an Investoren bis heute mit dem für die Börse wichtigen, mentalen Rüstzeug ausstatten.

Schlusswort zur Biografie sowie zum Vermächtnis von Kostolany

Kostolany gilt bis heute als einer der berühmtesten Börsenspekulanten und Börsenratgeber. Jedoch machte sich dieser im Laufe seines Lebens weniger einen Namen für ausgeklügelte Investmentstrategien oder Analyse-Techniken, sondern vielmehr für seine Verdienste innerhalb der Felder Börsenpsychologie und Börsenzyklen. Damit dient Kostolany bis heute eher als Ratgeber sowie Mentor in Sachen Mindset sowie Willensschulung für die Börse, aber weniger als Börsenanalyst oder Investmentlegende. Kostolany selbst warb aber immer auch wieder für Einstellungen wie zum Beispiel, dass das Leben abseits der Börse ebenso schöne Überraschungen bietet. So empfahl dieser, sich vom teilweise undurchschaubaren Börsenspiel nicht verrückt machen zu lassen und stattdessen lieber auch nach „gutem Essen, feinen Weinen und schönen Frauen“ Ausschau zu halten. Noch immer erfahren die Schriften und Bücher des bereits 1999 verstorbenen Börsengenies reißenden Absatz und werden dies wohl auch in den kommenden Jahrzehnten so weiter tun.