Nach der New York Stock Exchange (NYSE) ist die Börse der Tokyo Stock Exchange (TSE) weltweit die zweitgrößte Börse, gemessen an der Marktkapitalisierung. Die Börse blickt auf eine bewegende Geschichte zurück und gilt als die Leitbörse von Asien. Mit diesem Artikel erhalten Sie die wichtigsten Informationen zur Börse, deren Geschichte und generell interessanten Informationen rund um die Tokyo Stock Exchange.

Die Geschichte der Tokyo Stock Exchange:

Die Börse wurde am 15. Mail 1878 in der japanischen Hauptstadt Tokyo gegründet. Der Handel startete am 01. Juni 1878. Als die Börse von Tokyo eröffnet wurde, handelte es sich bei den ersten Kunden teilweise um ehemalige Samurai, welche einen Markt für den Anleihenhandel benötigten, die den Samurai von der japanischen Regierung ausgegeben worden waren.
Während der Ära der Meiji arbeiteten Bodenangestellte im Kimono. Vor der Jahrhundertwende Ende der 1890-er Jahre stiegen das Volumen und der gesamte Börsenhandel deutlich an. Die am häufigsten gehandelte Aktie war die der Tokyo Stock Exchange selbst.
Zu dieser Zeit gab es in Japan elf Börsen. In den Zeiten des Krieges wurden viele Staatsanleihen ausgegeben und gehandelt. Während des zweiten Weltkrieges fusionierten alle Börsen mit der TSE. Der finale Zusammenschluss erfolgte im Jahr 1943.
Wie in vielen anderen Ländern weltweit wurde der Handel im Rahmen des Krieges in bestimmten Phasen ausgesetzt. Mit der verschärften Kriegslage wurde der Handel im August 1945 eingestellt. Am 02. September 1945 hat Japan im Zweiten Weltkrieg bedingungslos kapituliert, sodass nach der Unterzeichnung einer Direktive durch den General Douglas MacArthur alle Börsenaktivitäten verboten wurden. Nach dem Ende des Krieges wurde der Börsensaal der Tokioter Börse bis 1948 von den Alliierten Streitkräften besetzt.
Da der Börsenhandel sehr beliebt war, setzte sich eine Vielzahl von japanischen Maklern für die Wiedereinführung der Marktoperationen ein. Bereits im März 1946 erfolgte die Beantragung zur Wiedereröffnung der Börse von Tokio. Durch die „Japanese Stock Dealers Association“ wurde ein dreizehnköpfiges Komitee gewählt. Damit sollte die Neugründung der Börse von Tokyo vorbereitet werden.
Auch aufgrund des Bombardements von Nagasaki kam es zur Neuorganisation der Börse und der Auflösung durch die Besatzung der US-amerikanischen Armee im April 1947. Dahingehend wurden viele japanische Aktien an öffentliche Investoren umverteilt. Im Rahmen von Privatisierungen von Wertpapieren und Werbeaktionen war der Handel von Aktien in ganz Asien sehr beliebt.
In der Folge kam es zu einer Novellierung des Börsengesetzes 1948. Ab dem 01. April 1949 kam es zur Einrichtung der Börsen in Tokio und Nagoya. Zu der Eröffnung wurden zwölf U-förmige Handelsposten aufgestellt.
In der Zeit von 1949 bis 1951 wurden sechs weitere japanische Börsen unter Aufsicht geöffnet. Im Jahr 1951 erfolgte die Einführung des Margin-Handels nach dem amerikanischen System.
Der Besitz von Wertpapieren in der japanischen Bevölkerung stieg rasch. Im Vergleich zu zu dem Zeitraum von der Verabschiedung des Gesetzes von 1948 war der prozentuale Anteil mit 12 Prozent (vor 1948: ca. 50 Prozent) jedoch noch relativ gering.
Im Jahr 1959 wurden die Preise der Wertpapiere mit Kreide an die Tafel geschrieben.
In der Zeit des japanischen Wirtschaftswunders in den 1960er bis 1980er Jahren stieg das Volumen der Börsengeschäfte an der Tokyo Stock Exchange stetig an. In Bezug auf die Marktkapitalisierung war die Börse von Tokyo weltweit die erste, welche die LSE und die NYSE überholte. In den 1980er Jahren wurden an der Tokyo Stock Exchange ca. 60 Prozent des weltweiten Handels mit Wertpapieren realisiert.
Mit den stetig steigenden Kursen und dem wachsenden Interesse bildete sich in Asien, insbesondere auf dem japanischen Markt, eine Blase. Die Unternehmen aus Japan wurden weltweit überschätzt und die Kurse waren zu schnell gestiegen. Nach 1990 verringerte sich das Interesse an japanischen Unternehmen deutlich. Im Land der aufgehenden Sonne wird im Nachhinein von dem „verlorenen Jahrzehnt“ gesprochen. Damit sind die 1990er Jahr gemeint.
Mit der zunehmenden Digitalisierung und der zunehmenden Nutzung von Computern reduzierte sich der Mitte der 1990er Jahr die Anzahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an der Börse von Tokyo deutlich. Order, welche vorher manuell ausgeführt wurden, konnten computerbasiert realisiert werden. Im Jahr 1999 wurde der komplette Handel auf dem Parkett durch den elektronischen Handel abgelöst. Am 04. Januar konnte letztmalig ein Blick auf die Mitarbeiter im traditionellen Kimono auf dem Börsenparkett von Tokyo geworfen werden.
Im Jahr 2005 kam es aufgrund eines Fehlers in einem Programm zu einem stundenlangen Ausfall der Börse, wodurch ein Handel am 05. November 2005 nicht möglich war.
Die Einführung eines neuen, schnellen Handelssystems mit der Bezeichnung Arrowhead konnte im Jahr 2010 erfolgreich eingeführt werden. Mit diesem System soll die Latenzzeit auf fünf Millisekunden reduziert worden sein. Bei der Latenzzeit handelt es sich um die Dauer, welche für ein abgeschicktes Handelsgeschäft benötigt wird, um die Realisierung zu vollziehen. Somit kann der Handel sehr nah am Echtzeitkurs erfolgen.
Am 22. November 2011 erfolgte die Ankündigung des Zusammenschlusses der TSE und der Osaka Stock Exchange. Die Fusion wurde am 01. Januar 2021 finalisiert. Daraufhin entstand die Japan Exchange Group. Mit der Fusion entstand der drittgrößte Handelsplatz rund um den Globus. Lediglich die NYSE Euronext und die NASDAQ waren zu diesem Zeitpunkt noch größer.

Die Zusammensetzung der Tokyo Stock Exchange:

An der Börse von Tokyo werden Wertpapiere von mehr als 2.200 japanischen Unternehmen gehandelt. Weiterhin gibt es über 30 ausländische Aktiengesellschaften, welche an der TSE gehandelt werden. Der Börsenindex der TSE ist der Nikkei 225, welcher von der Nihon Keizai Shimbun, der größten Wirtschaftszeitschrift von Japan, berechnet wird. In dem Nikkei sind 225 Werte standartmäßig enthalten.

Der Nikkei 225:

Bei dem Nikkei 225 handelt es sich um einen preisgewichteten Kursindex, welche ohne die Berücksichtigung von Dividenden, Bezugsrechten und Sonderzahlungen berechnet wird. Der Kursindex wurde im Jahr 1950 erstmals von der TSE veröffentlicht.
In dem Index sind verschiedene Unternehmen aus vielfältigen Branchen wie bspw. dem Bankensektor, der Elektronikindustrie, dem Einzelhandel, dem Pharmasegment, dem Chemiebereich oder dem Immobiliensektor.

Folgende Unternehmen sind unter anderem im dem Nikkei 225 vertreten:

– Asahi Kasei
– FANUC
– Konica Minolta
– Mizuho Financial Group
– Nikon
– Okuma
– Olympus
– SoftBank
– Sony
– Suzuki
– Tokuyama
– Toyota.

In Bezug auf die Marktkapitalisierung ist Toyota der Marktführer mit über 280 Milliarden US-Dollar.

Wie in allen Leitbörsen gab es auch in der Geschichte des Nikkei 225 Bullen- und Bärenmärkte. Der längste Bullenmarkt startete im Jahr 1982 und dauerte fast sieben Jahr bis in das Jahr 1989 an. In dieser Zeit konnte durchschnittlich ein Gewinn von knapp 470 Prozent erzielt werden.
Von 2000 bis 2003, dem größten Bärenmarkt in der Geschichte des Nikkei 225, reduzierten sich die Kurse um fast zwei Drittel.

Die Börse von Tokyo heute:

Die Börse von Tokyo ist Montag bis Freitag von 9.00 Uhr bis 11.30 Uhr und 12.30 Uhr bis 15.00 Uhr Ortszeit geöffnet. Dies bedeutet nach der MEZ 1.00 Uhr bis 3.30 Uhr und 4.30 Uhr bis 7.00 Uhr. Da es in Japan keine Zeitumstellung gibt, sind die Zeiten jeweils um eine Stunde nach vorn verschoben, wenn Sommerzeit in Europa herrscht.

Die Börse der TSE wird in drei Marktsegmente unterteilt. Die First Section umfasst die großen Unternehmen, welche auch vielfach in den Nikkei 225 eingehen. Innerhalb der Second Section sind mittelgroße Unternehmen vertreten, die sogenannten Mic-Caps. Das dritte Segment wird als „Mothers“ bezeichnet. In diesem Bereich sind die kleineren, wachstumsstarken Unternehmen berücksichtigt, welche sich noch im Start-Up Bereich befinden. Noch tiefergehende Aufteilungen gliedern die Börse in fünf Segmente:

– der erste Abschnitt mit den größten japanischen Unternehmen
– der zweite Abschnitt mit den mittelständischen Unternehmen.

Bei den beiden ersten Abschnitten wird häufig auch von den Hauptmärkten gesprochen.

– der dritte Abschnitt, die „Mothers“ für die aufstrebenden Aktien
– der vierte Abschnitt, auch als „Jasdaq“ bezeichnet, welcher weiter in Standard- und Wachstumsunterabschnitte eingeteilt wird
– der fünfte Abschnitt wird als Tokyo Pro Market bezeichnet und ist ausschließlich den professionellen Anlegerinnen und Anlegern vorbehalten.

Ab Juni 2020 sind die Vorstandsmitglieder der Börse von Tokyo Präsident und CEO Kiyota Akira. Die Vorstandsmitglieder sind Kohda Main, Yokoyama Ryusuke und Miyahara Koichiro.