Während das vergangene Jahr durch einige teils gravierende Umwälzungen gekennzeichnet war, gestaltet sich das laufende Jahr bisweilen ruhig. Die im Jahr 2020 begonnenen Trends werden weitestgehend fortgesetzt. So hat der rapide Niedergang der Freizeit- und Tourismusindustrie sowie der Boom der digitalen Angebote zu einigen Umwälzungen im Ranking der größten Unternehmen geführt. Auch der sich verstärkende Trend zu alternativen Energien brachte Freud und Leid mit sich. In der Rangliste „The Global 2000“ stellt das Magazin „Forbes“ jährlich die gemessen an Umsatz, Gewinn, Marktkapitalisierung und Vermögenswerten größten Unternehmen vor. Energiekonzerne wie Gazprom und Royal Dutch Shell wie auch Chemietitel wie BASF gehörten zu den klaren Verlierern im Ranking. Anhand dieser Rangliste lassen sich demzufolge auch die größten Unternehmen des europäischen Kontinents ermitteln.

Platz 1: Volkswagen

Der Autobauer aus Wolfsburg gehörte bereits vor Corona zu den größten börsennotierten Gesellschaften Europas. Zeitweise war VW gemessen an der reinen Marktkapitalisierung sogar das wertvollste Unternehmen der Welt. Mittlerweile sind die großen Techriesen der USA davongezogen, dennoch reicht es im europäischen Vergleich zum Spitzenplatz. Im globalen Ranking steht Volkswagen auf Rang 17. Besonders gut schneidet der Autobauer beim Umsatz ab. Der Post-Corona-Boom bescherte besonders den deutschen Autobauern stabile Erträge, insbesondere der Trend weg von öffentlichen Verkehrsmitteln stützte die starke Nachfrage im Individualverkehr. Ebenso stark positioniert ist VW bei Gewinn und Vermögenswerten. Lediglich beim Marktwert hat das Unternehmen noch Nachholbedarf, Platz 86 im globalen Ranking ist zwar gut, würde jedoch auch europaweit nicht mehr zu einem Spitzenplatz reichen.

Platz 2: Allianz

Auch der größte deutsche Versicherungskonzern Allianz schaffte es wieder einmal in die Rangliste für die 10 größten Aktiengesellschaften Europas 2021. Im globalen Vergleich verbesserte man sich sogar um einen Platz auf Rang 24. Der Corona-Effekt war beim Versicherungsriesen kaum zu spüren, das Geschäftsmodell erwies sich als weitestgehend immun gegen Lockdown und Reisebeschränkungen. Besonders hervorstechend sind die stabilen Vermögenswerte des Konzerns, hier reicht es im weltweiten Vergleich zu Platz 26. Umsatz und Gewinn liegen im Mittelfeld, lediglich bei der Marktkapitalisierung schnitt die Allianz auf Platz 132 relativ schlecht ab, 108 Mrd. $ bedeuten gerade mal 5% der größten amerikanischen Unternehmen.

Platz 3: BNP Paribas

Völlig unerwartet war für viele die starke Perfomance der Bankaktien im Jahr 2020. Hiervon profitierte vor allem die französische Großbank BNP Paribas, die sich um 12 Plätze von Platz 42 auf 30 verbessern konnte. Europaweit reichte dies für einen starken dritten Platz. Besonders hervor stechen die starken Vermögenswerte in der Bilanz, die im Corona-Jahr deutlich vermehrt werden konnten. Weltweit verfügen nur 7 Unternehmen über höhere Vermögenswerte. Wie auch die Allianz scheiterte die BNP Paribas vor allem am Marktwert, gerade mal 39,2 Mrd. $ bedeuteten einen abgeschlagenen Platz 190 im globalen Vergleich. Hier zeigt sich vor allem auch wieder die starke Diskrepanz zwischen den Vermögenswerten auf der einen sowie der Marktkapitalisierung auf der anderen Seite. Das Vertrauen in die Ertragskraft der europäischen Banken scheint weiterhin nicht zurückzukommen.

Platz 4: Nestle

Der Schweizer Lebensmittelriese ist ein Dauergast in den Top Ten. Aufgrund des stabilen Geschäftsmodells konnte Nestle sogar 2 Ränge gewinnen und steht somit auf Platz 4. Das Jahr 2020 war für Nestle ein voller Erfolg. Während viele Branchen mit schwindenden Umsätzen zu kämpfen hatten, konnte Nestle auf Grund des Trends zu Heimarbeit sogar von der Entwicklung profitieren. Dies zeigt sich auch in der Ausgeglichenheit der Parameter, lediglich im Punkt Vermögenswerte landet Nestle mit gerade mal 132,1 Mrd. $ auf einem abgeschlagenen Platz 273 im globalen Vergleich. Während bei BNP Paribas das Verhältnis genau umgekehrt war, scheint das Vertrauen in Nestle weiterhin ungebrochen hoch zu sein.

Platz 5: HSBC

Die britische Großbank musste im letzten Jahr leicht Federn lassen, es ist das einzige Unternehmen der europäischen Top Ten, das im globalen Vergleich Plätze verloren hat. Dennoch reichte es weiterhin zu Platz 5. Wie auch BNP Paribas profitierte HSBC von der starken Performance des gesamten Bankensektors, in allen Kategorien konnte ein leichtes Wachstum verzeichnet werden. Die verhältnismäßig schlechte Performance im Gesamtranking könnte weiterhin mit den Nachwehen des Brexit zusammenhängen, da sich Banken vom europäischen Festland wesentlich besser geschlagen haben.

Platz 6: Daimler

Der absolute Highflyer der Rangliste kommt in diesem Jahr aus Stuttgart. Um sagenhafte 285 Plätze verbesserte sich der schwäbische Autobauer auf Rang 41 im Ranking. In der Rangliste für die 10 größten Aktiengesellschaften Europas 2021 reicht dies zu einem starken sechsten Platz. Wie auch Volkswagen profitierte Daimler vom Boom bei den Neuzulassungen in Europa, der vor allem durch die Meidung des öffentlichen Personennahverkehrs befeuert wurde. Bei den Umsätzen konnte Daimler mit 175,9 Mrd. $ einen mehr als überzeugenden Rang 22 einnehmen, bei den anderen 3 Kategorien reichte es nur zu den Plätzen 114 (Vermögenswerte), 144 (Marktwert), 146 (Gewinn). Alles in allem dennoch ein sehr starkes und ausgeglichenes Ergebnis.

Platz 7: Deutsche Telekom

Mit der Deutschen Telekom gehört ein weiterer deutscher Top Konzern zu den Gewinnern der Corona-Pandemie. Die fortschreitende Digitalisierung beschert dem Bonner Konzern stabile Gewinne und eine starke Position bei zukunftsweisenden Trends. Im globalen Vergleich reichte es zu Platz 44, was eine Verbesserung um 25 Plätze und Platz 7 im Europa-Vergleich bedeutete. In der Einzelwertung jedoch war die Deutsche Telekom nur beim Umsatz überzeugend mit Platz 48.

Platz 8: AXA

Wie auch bei der Allianz konnte das Corona-Jahr 2020 dem französischen Versicherungskonzern kaum etwas anhaben. Der Konzern konnte sich im weltweiten Vergleich um 10 Plätze verbessern und steht aktuell auf Platz 54. AXA glänzt mit hohen Vermögenswerten sowie stabilen Umsätzen. Hier reichte es zu Plätzen in den Top 50. Bei Gewinn und Marktwert konnte mit den Plätzen 190 und 239 jedoch noch nicht mal die Top 100 erreicht werden.

Platz 9: Roche

Mit Roche schaffte es ein zweites Unternehmen der Schweiz in die Top Ten. Der Pharmagigant profitierte im Corona-Jahr vom stark gestiegenen Gesundheitsbewusstsein. Sein solides Geschäftsmodell war durch die Corona-Einschränkungen praktisch nicht belastet. Im Ranking konnte sich Roche um 14 Plätze auf Platz 60 verbessern, was europaweit für einen starken neunten Platz sorgte. Bei Gewinn und Marktwert reichte es für Roche sogar zu einem Platz unter den Top 30. Wie auch bei Nestle ist eine starke Divergenz von Börsenwert zu den ausgewiesenen Vermögenswerten zu erkennen.

Platz 10: BMW

Mit BMW schaffte es auch der dritte deutsche Autobauer unter die Top Ten, alles in allem eine herausragende Performance der deutschen Automobillandschaft. Nachdem der deutsche Automobilstandort nach den jüngsten Erfolgen von Tesla praktisch abgeschrieben wurde, ein mehr als beachtliches Gesamtergebnis. Im Gegensatz zu Daimler und VW profitierte BMW im Ranking jedoch von seinen starken Vermögenswerten sowie dem angezogenen Marktwert.

Platz 11: LVMH

Erstes Unternehmen außerhalb der Top Ten, dennoch erwähnenswert ist der französische Luxusgüterkonzern LVMH. Würde man nur den reinen Börsenwert nehmen, wäre LVMH europaweit auf Platz 1. Seit Jahren bereits glänzt die Aktie durch einen soliden nachhaltigen Aufstieg, den auch das Jahr 2020 nicht bremsen konnte. Im weltweiten Vergleich liegt LVMH nur knapp hinter BMW auf Rang 64. Entscheidend für den verhältnismäßig schlechten Platz 11 sind die anderen Parameter Umsatz, Gewinn und Vermögenswerte, die den hohen Marktwert egalisierten. Dennoch ist der Trend bei LVMH von allen hier vorgestellten Unternehmen am stabilsten. Es ist zu vermuten, dass das Unternehmen in Europa in den nächsten Jahren einen führenden Platz einnehmen wird.

Fazit

Letztendlich ist es eine Frage der Gewichtung, nach welchen Kriterien eine derartige Rangliste erstellt wird. Da die Forbes-Liste jedoch zu den renommiertesten gehört, wurde diesen Kriterien auch gefolgt. Besonders die Dominanz der Autowerte war doch ein wenig überraschend. Dagegen sind in den Top Ten die Dauergäste der letzten Jahre aus dem Öl- und Gasbereich herausgefallen. Weder Gazprom noch Shell noch Total schafften es dieses Mal in die 10 größten Aktiengesellschaften Europas 2021.