Der Standard & Poor’s 500, besser bekannt unter der Abkürzung S&P 500, ist einer der wichtigsten Aktienindizes der Welt. Er spiegelt die Wertentwicklung der 500 größten an der Börse gelisteten US-Unternehmen wider und gilt oftmals als Benchmark zur Erfolgsbewertung einer Investition. Im folgenden Artikel wollen wir zum einen beleuchten, wie der S&P sich zusammensetzt und inwiefern er sich von den anderen bekannten US-Indizes Dow Jones und NASDAQ 100 unterscheidet. Außerdem wollen wir einen Rückblick auf seine bisherige Geschichte werfen. Anschließend stellen wir die zehn größten Unternehmen des S&P 500 vor.

Berechnung & Zusammensetzung

Der S&P wird von der bekannten Ratingagentur Standard & Poor’s herausgegeben. Ihr obliegt somit auch die Entscheidung über die Neuaufnahme bzw. das Ausscheiden von Unternehmen aus dem Index. In seiner klassischen Form ist der S&P 500 ein sogenannter Kursindex. Für die Berechnung des Zählerstandes werden also nur die reinen Kursgewinne der Einzelwerte herangezogen. Somit ist der von den sogenannten Performanceindizes wie etwa dem DAX abzugrenzen. Der DAX-Punktestand berechnet sich nämlich durch die Addition der prozentualen Kursgewinne und der ohne Abschlag ausgeschütteten Unternehmensdividenden. Eine Gemeinsamkeit mit dem DAX ist die Gewichtung der einzelnen Unternehmen nach ihrer Streubesitz-Marktkapitalisierung. Gemäß der ICB-Klassifikation für Unternehmensbranchen lassen sich die Einzelwerte des S&P wie folgt aufteilen (Stand: 31. Juli 2020):

  • Informationstechnologie: 27,48 %
  • Gesundheitswesen: 14,58 %
  • Zyklische Konsumgüter: 11,18 %
  • Telekommunikation: 10,90 %
  • Finanzdienstleister: 9,89 %
  • Industrieunternehmen: 7,90 %
  • Nicht-zyklische Konsumgüter: 7,05 %
  • Versorger: 3,13 %
  • Immobilien: 2,80 %
  • Grundstoffe: 2,56 %
  • Energie: 2,53 %.

Zu erfüllende Grundkriterien für die Aufnahme sind unter anderem eine Marktkapitalisierung von mindestens 13,1 Milliarden US-Dollar, ein Streubesitzanteil an den gesamten Aktien eines Unternehmens von mindestens 50 % und ein positiver Unternehmensgewinn im unmittelbar vor der Aufnahme liegenden Quartal sowie in den vergangenen vier Quartalen vor Aufnahme. Des Weiteren muss es sich um ein in den USA ansässiges Unternehmen handeln, dass entweder an der New York Stock Exchange (NYSE) oder der NASDAQ gelistet ist.

Unterschiede zum Dow Jones & Nasdaq

Der Dow Jones Industrial Average ist einer der ältesten und zugleich ruhmreichsten Aktienindizes weltweit. Der ursprünglich vom US-amerikanischen Verlagshaus Dow Jones sowie dem Wall Street Journal herausgegebene Index existiert bereits seit dem Jahre 1884. Ursprünglich umfasste er die 30 größtes US-Unternehmen, mittlerweile beinhaltet er hauptsächlich traditionsreiche und eher der Old-Economy zugehörige Unternehmen. Die Berechnung des Punktestandes erfolgt, indem das arithmetische Mittel aus der Summe aller Einzelkurse der Unternehmen errechnet wird und dieses anschließend durch den sogenannten Dow Divisor geteilt wird. Dieser Dow Divisor wird alle drei bis vier Jahre angepasst und liegt heute bei etwa 0,147. Anhand der geschilderten Berechnungsformel sind die Kritikpunkte am Dow Jones relativ offensichtlich: Aktien, deren Wert pro Stück besonders hoch sind, üben einen besonders großen Einfluss auf den Punktestand aus. Da beispielsweise die Aktien von Amazon oder Alphabet (Google) pro Stück verhältnismäßig teuer sind, sind beide Unternehmen nicht im Dow Jones enthalten. Die Marktkapitalisierung der Unternehmen spielt für die Indexberechnung hingegen keine Rolle. Auch die eher schwammigen Aufnahmekriterien werden oft hinterfragt. Die aktuell am größten gewichteten Unternehmen im Dow Jones sind der Versicherungskonzern UnitedHealth Group, Goldman Sachs und der Baumarktkonzern Home Depot. Die Unterschiede zum S&P 500 liegen also in der Kursberechnung, der Zusammensetzung, der Anzahl der enthaltenen Unternehmen und in den Aufnahmekriterien. Gemeinsam haben beide Indizes, dass sie kursbezogen sind und dass die enthaltenen Unternehmen entweder an der NYSE oder der NASDAQ gelistet sind.

Die NASDAQ ist ein eigenständiger Börsenplatz und war die weltweit erste elektronische Börse. Ihren Dienst aufgenommen sie im Jahr 1971. Wenn heutzutage über den Kurs der Nasdaq berichtet wird, ist im Regelfall der Nasdaq Composite Index gemeint, welcher der bedeutendste Index der NASDAQ ist. In ihm sind über 3.000 Unternehmen, hauptsächlich aus dem Technologiesektor, vereint. Ebenfalls sehr bekannt ist der Nasdaq-100, der sich auf die 100 Einzelwerte mit der höchsten Marktkapitalisierung beschränkt. Auch der Nasdaq Composite ist, genau wie der Dow Jones und der S&P, ein Kursindex. Die Berechnung erfolgt relativ simpel durch die Gewichtung der Einzelwerte nach ihrer reinen Marktkapitalisierung. Im Unterschied zu den anderen beiden Indizes ist der Nasdaq nicht nur auf US-Unternehmen begrenzt; so sind etwa die chinesischen Tech-Giganten Alibaba, Baidu und JD.com ebenfalls an der NASDAQ gelistet und dementsprechend auch im Index enthalten. Wichtig: Der Nasdaq besteht nicht ausschließlich aus Tech-Werten, sondern auch aus Konsumgüterhersteller wie Monster Beverage (Energydrinks) oder diversen Pharmaunternehmen wie etwa Regeneron Pharmaceuticals.

Kurzer geschichtlicher Abriss des S&P 500

Auch wenn Standard & Poor’s bereits vorher einen Index veröffentlichte, so erblickte der heute bekannte S&P erst am 04.03.1957 das Licht der Welt. Alle Werte, die vor diesem Zeitraum liegen, resultieren aus Rückrechnungen und beziehen sich auf einen früheren von Standard Statistics herausgegebenen Index mit unter 500 Unternehmen. Seinen größten Tagesverlust verbuchte der S&P am 19.10.1987, als er am berüchtigten Schwarzen Montag (dem ersten großen Börsenrückgang seit dem Ende des 2. Weltkriegs) um über 20 % in die Knie ging. Dem Börsenkrach ging ein weltweiter Vertrauensverlust in die Kraft des US-Dollars voraus. Sein Vorkrisenniveau eroberte der S&P ungefähr ein Jahr später zurück. Die Schallmauer von 500 Punkten wurde im März 1995 durchbrochen, nur drei Jahre später war die Marke von 1000 Punkten dran. Im März 2000 war das Platzen der Dotcom-Blase ein prägendes Ereignis, welches über einen Zeitraum von zweieinhalb Jahren für fallende Kurse sorgte. Damals waren Internet- und Telekommunikationsunternehmen im Verhältnis zu ihren Fundamentalzahlen massiv überbewertet. Als die ersten Anleger dies realisierten und ihr Kapital abzogen, folgten kaskadenartige Verluste, da vor allem viele Privatanleger, in Panik um ihr Vermögen handelnd, ebenfalls verkauften. Der Tiefpunkt war im Oktober 2002 mit etwa 776 Punkten erreicht. Von da an ging es weiter bergauf, bis am 30. Mai 2007 der alte Beststand vor der Dotcom-Blase wieder erreicht wurde. Die nächste Krise und somit der nächste Abschwung standen mit der Subprime-Blase und der Lehman-Pleite jedoch schon wieder vor der Haustür. Nach einem weiteren Tiefpunkt, der 2009 erreicht wurde, stieg der S&P bis 2011 wieder, bevor ein weiterer Rückgang von etwa 20 % (über mehrere Wochen und Monate) im Zuge der Eurokrise stattfand. Durch die weltweiten Anleihenkäufe der Notenbanken gestützt, herrscht bis zum heutigen Tage (unterbrochen durch den kurzen Corona-Rückgang) ein Bullenmarkt, der den S&P auf einen Stand von über 4000 Punkten katapultierte. Der Tiefststand Ende 2011 lag bei ungefähr 1100 Punkten. Während man zwischen 2001 und 2012 auf eine Durchschnittsrendite von nur 0,7 % kam, beträgt die gemittelte Jahresrendite von 2012 bis Mitte 2021 ca. 23 %.

Die zehn größten Unternehmen des S&P 500

Apple

Das Technologieunternehmen Apple ist das nach Marktkapitalisierung größte Unternehmen der Welt. Kein Wunder also, dass der einstmals vom legendären Steve Jobs gegründete Konzern auch im S&P eine exponierte Stellung einnimmt (Gesamtanteil: 6,86 %). Apple ist hauptsächlich als Hardware- und Software-Hersteller bekannt. Ihre Hauptprodukte sind unter anderem das iPhone, der Mac, das iPad, Apple Music und die iCloud. Weiteres Wachstum könnte zukünftig durch den Eintritt in den Automobilmarkt kommen, über den immer wieder spekuliert wird.

Microsoft

Microsoft ist mit 5,65 % die zweitgrößte Position im S&P. Das von Bill Gates gegründete Unternehmen verdient sein Geld vor allem mit Unternehmenssoftware, der Azure-Cloud und diversen Gaming-Produkten.

Amazon

An dritter Stelle kommt der Onlinehändler Amazon (4,33 %). Neben dem Online-Versand erzielt das Unternehmen aus Seattle seine Umsätze mit dem AWS-Clouddienst, seinem Marketplace für Dritthändler und mit den Abonnementdiensten Prime und Twitch.

Facebook

Auf dem vierten Platz liegt Facebook. Der Social Media Gigant aus Kalifornien erwirtschaftet seine Einnahmen fast ausschließlich aus der Monetarisierung von Werbeplätzen in den drei bekannten sozialen Medien Facebook, WhatsApp und Instagram. Im Hintergrund forscht man allerdings fleißig an verschiedenen Virtual Reality Produkten. Zudem könnte sich WhatsApp mittelfristig zu einer Payment-App entwickeln; in Südamerika wird dies bereits getestet.

Tesla

Das Unternehmen des schillernden wie polarisierenden Elon Musk folgt auf Platz 5 (1,97 %). Letztes Jahr gehörte der Elektroautohersteller zu den Börsenüberfliegern, mittlerweile übertrifft die Marktkapitalisierung sogar die komplette restliche Automobilbranche. Kritiker werfen dem Unternehmen vor, dass man nur dank dem Verkauf von CO2-Zertifikaten sowie dem Bitcoin-Handel Gewinne erzielt. Allerdings gilt Tesla neben der E-Mobilität auch beim autonomen Fahren als Weltmarktführer.

Alphabet

Die Riege der Tech-Riesen wird vom Google-Mutterkonzern Alphabet (1,75 %) komplettiert. Der Suchmaschinenkonzern vierdient sein Geld vorwiegend mit Werbeeinnahmen und hat unter anderem mit seiner Cloud-Anwendung, dem Videodienst YouTube und der Tochter Waymo (für autonomes Fahren) weitere zukunftsträchtige Geschäftszweige.

Johnson & Johnson

Johnson & Johnson (1,4 %) dürfte den meisten wegen seiner bekannten Konsumgütermarken wie bebe, Penaten, o.b. oder Nicorette bekannt sein. Daneben hat der Konzern eine Pharmasparte, die etwa einen der bekannten Corona-Impfstoffe produziert, sowie einen Medizintechnikbereich.

Auf den weiteren Plätzen unter den ersten zehn Unternehmen folgen die Investmentbank J. P. Morgan (1,26 %), der Kreditkartenkonzern Visa (1,04 %) und der Halbleiterhersteller Nvidia (1,01 %). Obwohl der S&P 500 gemeinhin als weniger technologielastig gilt als bspw. der Nasdaq, so muss man dennoch konstatieren, dass die erwähnten ersten sechs Tech-Unternehmen zusammen mit 22,5 % nahezu ein Viertel des gesamten Index ausmachen.