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Ganz gleich, ob sich ein Investor für seine Immobilien Muttenz als Standort auswählt oder lieber in Immobilien in Deutschland oder Immobilien in Frankreich investiert, wenn es um die Realisierung größerer Bauprojekte geht, sind häufig große Baukonzerne involviert, deren Aktien an der Börse notiert sind. Das Beratungsunternehmen Deloitte hat kürzlich die neueste Ausgabe seines Branchenreports „Global Powers of Construction“ veröffentlicht, der dieses Marktsegment analysiert. Dabei zeigt sich, dass die Liste der weltweiten Top 100 der Baukonzerne, deren Aktien an der Börse gehandelt werden, zahlenmäßig stark von Japan, den USA und China dominiert wird, die jeweils mit 15, 14 beziehungsweise 11 Unternehmen in der Liste präsent sind. Aus dem Vereinigten Königreich erscheinen ebenfalls 11 börsennotierte Baukonzerne in der Liste, womit es das zahlenmäßig am stärksten vertretene europäische Land ist. Insgesamt sind immerhin 43 europäische Bauunternehmen unter den von Deloitte ermittelten Top 100 des Jahres 2020, sofern man die beiden türkischen Unternehmen im Ranking als europäisch statt als asiatisch zählt.

Der europäische Umsatz-Spitzenreiter kommt aus Frankreich

Gemessen an den 2021 erzielten Jahresumsätzen, werden die ersten fünf Plätze durchweg von chinesischen Baukonzernen belegt, bevor auf Platz sechs mit Vinci der erste europäische Player erscheint. Die französische Gesellschaft erwirtschaftete im Jahr 2020 einen Jahresumsatz von rund 49,4 Milliarden US-Dollar. Das ist zwar deutlich weniger als die 233,9 Milliarden US-Dollar, die der Erstplatzierte aus China erreichte, aber immerhin auch rund ein Viertel mehr als der Jahresumsatz der Actividades de Construccion y Servicios, S.A. (ACS). Die spanische Gesellschaft erreichte mit 39,9 Milliarden US-Dollar den achten Rang und wurde zugleich knapp vor dem französischen Unternehmen Bouygues (39,6 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz) zweitstärkstes europäisches Unternehmen im Gesamtranking. Diese drei Unternehmen sind zugleich die einzigen Europäer, die sich einen Platz unter den Top 10 sichern konnten.

Mehrheit der Europäer in der zweiten Hälfte des Rankings platziert

Börse Frankfurt - aus dem Artikel - Die größten börsennotierten Baukonzerne in Europa
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Mit Eiffage, S.A. (Frankreich), Skanska AB (Schweden), Strabag (Österreich), Balfour Beatty (UK), Royal BAM Group NV (Niederlande), Acciona (Spanien), Volkerwessels (Niederlande), Ferrovial (Spanien), Fomento de Construcciontes y Contratas, S.A. (Spanien), PEAB AB (Schweden), NCC AB (Schweden) und Salini Impreglio Spa (Italien) schafften es noch zwölf weitere europäische Baukonzerne unter die ersten 50, während die Mehrheit von 28 europäischen Unternehmen erst in der zweiten Hälfte der Top 100 auftaucht. Der erste eidgenössische Unternehmensname erscheint auf Platz 63 mit der Implenia AG, die schon zahlreiche Immobilien in der Schweiz realisiert hat. Das erste und einzige deutsche Bauunternehmen mit Notierung seiner Aktie an der Börse ist in diesem Ranking übrigens die Bauer AG, die auf Rang 97 erscheint. Ihr Jahresumsatz liegt mit 1,175 Milliarden US-Dollar nur bei knapp 2,4 Prozent dessen, was der europäische Spitzenreiter des Jahres 2020 erwirtschaftete. Den hundertsten und somit letzten Platz belegt die Ellaktor SA aus Griechenland, die aber mit rund 1,02 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz immer noch knapp oberhalb der Milliardengrenze liegt.

Weniger massive Auswirkungen der COVID-19-Pandemie als in anderen Branchen

Insgesamt zeigt der Report von Deloitte, dass die europäische ebenso wie die globale Bauindustrie während des Jahres 2020 weniger stark unter den negativen Auswirkungen der COVID-19-Pandemie gelitten hat als viele andere Branchen. Was die Perspektiven für die kommenden Jahre angeht, weisen die Experten von Deloitte allerdings darauf hin, dass der Anstieg staatlicher Ausgaben für die Bekämpfung der Corona-Krise sowie eine höhere Verschuldung öffentlicher Haushalte in vielen Ländern einen bremsenden Effekt auf anstehende Infrastrukturinvestitionen und somit zugleich auch auf die Wachstumsaussichten der Baubranche haben könnten. Generell machten sich die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie nicht in allen Ländern und Sektoren gleichermaßen bemerkbar, was sich auch in der finanziellen Performance der Baukonzerne widerspiegelt. Weniger als die Hälfte der 100 größten börsennotierten Bauunternehmen konnten ihre Umsätze 2020 steigern, doch 18 von ihnen erreichten sogar ein zweistelliges Umsatzwachstum. Demgegenüber stehen 25 Baukonzerne, deren Umsätze 2020 jeweils um mehr als 10 Prozent einbrachen. Europäische Baukonzerne erwirtschafteten zusammen 22 Prozent des Gesamtumsatzes der Top 100, während der Anteil Chinas am Gesamtumsatz bei 48 Prozent und derjenige Japans bei 13 Prozent lag. Unternehmen aus den USA sowie aus Südkorea trugen jeweils fünf Prozent zum Gesamtumsatz der Top 100 bei.

Marktkapitalisierung europäischer Baukonzerne sinkt im Mittel um sieben Prozent

Die Marktkapitalisierung, die sich durch Multiplikation der Gesamtzahl der Aktien eines Unternehmens mit dem Aktienkurs errechnet, entwickelte sich insgesamt sehr heterogen. Für die 30 größten Bauunternehmen der Welt zusammengenommen summierte sich diese Kennzahl zum Jahresende 2020 auf etwa 422 Milliarden US-Dollar und lag damit rund 6,9 Prozent niedriger als ein Jahr zuvor. Dabei zeigten sich allerdings erhebliche regionale Unterschiede. Während es in den USA und in Südkorea zu Zuwächsen kam, ergaben sich in China und Japan deutliche Rückgänge um 23 Prozent beziehungsweise 17 Prozent. Vor diesem Hintergrund lag der im Durchschnitt siebenprozentige Rückgang der Marktkapitalisierung europäischer Bau-Aktien etwa im Mittelfeld und zugleich nah am weltweiten Durchschnitt.

Europäische Baukonzerne sind am meisten international aktiv

Ein weiterer interessanter Aspekt, der im Rahmen der Analyse von Deloitte untersucht wurde, betrifft die Frage nach der Internationalisierung der börsennotierten Top-Bauunternehmen. Viele große Bauunternehmen suchen gezielt im Ausland nach Wachstumsmöglichkeiten. Dass dies in besonderem Maße für europäische, aber auch für südkoreanische Unternehmen gilt, dürfte zu einem wesentlichen Teil an deren relativ kleinen Heimatmärkten liegen. Demgegenüber finden US-amerikanische und chinesische Baufirmen an den ungleich größeren Binnenmärkten ihrer Heimatländer deutlich umfangreichere Wachstumsperspektiven vor. Unter den europäischen Bauunternehmen liegt der im Ausland erwirtschaftete Anteil der Gesamtumsätze durchschnittlich bei 59 Prozent und damit so hoch wie in keiner anderen Region der Welt. Zum Vergleich: Südkoreanische Bauunternehmen erzielen durchschnittlich 40 Prozent ihres Umsatzes im Ausland, bei Unternehmen aus den USA, Japan und China sind es dagegen nur 15 Prozent, zehn Prozent beziehungsweise sechs Prozent. Europa ist somit die einzige Region, deren Bauunternehmen ihre Umsätze mehrheitlich außerhalb der eigenen Landesgrenzen erwirtschaften. Bei den Top 30 des Rankings belief sich der Auslandsanteil der Umsätze 2020 auf rund 17 Prozent, was eine moderate Abnahme um zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr darstellt. In diesem Zusammenhang verweist Deloitte darauf, dass die globalen Wirtschaftsaussichten infolge der COVID-19-Pandemie unsicher seien und dass sich stark auf Internationalisierung setzende Bauunternehmen angesichts der gesamtwirtschaftlichen Folgen der Pandemie künftigen Absatzrisiken ausgesetzt sähen.

Absatzrisiken versus Wachstumschancen

Gebäude eines Konzerns in Riga - aus dem Artikel - Die größten börsennotierten Baukonzerne in Europa
iShares STOXX Europe 600 Construction & Materials UCITS ETF (DE)

Für Anleger, die an der Börse in Aktien von Bauunternehmen investieren möchten, stellt sich in diesem Kontext die Frage, ob die Absatzrisiken oder die Wachstumschancen überwiegen. Eine pauschale Antwort auf diese Frage gibt es sicherlich nicht, denn sie lässt sich für unterschiedliche Märkte und Regionen unterschiedlich beantworten. Klar sein dürfte allerdings, dass europäische Bauunternehmen kaum auf internationale Aktivitäten verzichten können, wenn sie angesichts ihrer relativ kleinen und von regem Wettbewerb geprägten Heimatmärkte nennenswert wachsen wollen. Das Risiko, dass sich die Wachstumsperspektiven aufgrund der Herausforderungen im Zusammenhang mit der Bewältigung der Pandemiefolgen etwas eintrüben könnten, ist gewiss nicht von der Hand zu weisen. Gleichzeitig sehen sich viele Länder mit der Notwendigkeit konfrontiert, umfangreiche Infrastrukturinvestitionen vorzunehmen, wenn sie im Wettbewerb mit anderen Ländern und Wirtschaftsregionen weiter mithalten wollen. Hieraus können sich dann durchaus neue Chancen für große, international agierende Bauunternehmen aus den verschiedenen europäischen Ländern ergeben, die dann auch ihren Niederschlag in der Entwicklung ihrer Aktienkurse finden dürften. Wenn Sie an der Entwicklung der europäischen Baubranche partizipieren wollen, aber sich nicht die Mühe machen möchten, regelmäßig einzelne Unternehmen zu analysieren und zu beobachten, können Sie statt auf einzelne Aktien auch auf Aktienfonds mit entsprechendem Branchenschwerpunkt oder indexbasierte Produkte wie zum Beispiel ETFs setzen. So enthält beispielsweise der STOXX Europe 600 Construction & Materials eine Auswahl der größten börsennotierten Bauunternehmen Europas, ergänzt um Titel von einigen Firmen, die eng mit der Bauwirtschaft verbunden sind, selbst aber anderen Branchen wie zum Beispiel dem Maschinenbau, der Chemieindustrie oder dem Dienstleistungssektor zuzurechnen sind.